Oswald – Ein Leben am Abgrund.

Bald ist er ein Schritt weiter…

Ossi´s Wanderzirkus…Teil 6

Rasch hatte Oswald die geschätzten 3 Kilometer bis nach Hessen zurückgelegt und auch „Baby“ verhielt sich relativ still im Anhänger. Hatte Ossi nicht bei seinem letzten Zwangs-Stopp auf hessischem Gebiet einen schönen Platz aus seinen geröteten Augenwinkeln entdeckt? Ja, genau. Gleichen neben einer Fußgängerbrücke war eine tolle Stelle, wo er mit seinem kompletten Wanderlager die Nacht verbringen konnte. Also noch einmal kräftig am Gashebel des Mofas gedreht und zack war er da.  Doch auch hier wartete eine Überraschung auf ihn, denn eine litauische Anglergruppe, bestehend aus sieben Männern, welche sich beim Fischfang versuchten. Zuerst roch Oswald den angezündeten Holzkohlegrill der Männer mit Wodka im Blut und als er moch näher kam, den Geruch von billigem Dosenbier. Die Angler waren ihm sofort irgendwie sympatisch, hatten diese doch auch einen gesegneten Durst! Somit schob er sein Gespann in Richtung der Dosenbiertrinker und gesellte sich unaufgefordert zu diesen. Scheinbar machte er einen durstigen Eindruck, denn ohne lange zu fragen, reichte ihm einer der Männer eine Dose Bier. Soviel Gastfreundschaft beeindruckt Ossi doch sehr und er beschloss die kommende Nacht hier zu verbringen. Also lud er seinen Anhänger aus und trank gerne noch ein paar Dosen geschenktes ALDI-Bier. Bis zum frühen morgen hörte er sich alte Litauer-Volkslieder, welche von den sieben sturzbedrunkenen Anglern nach dem heftigen Genuss von einigen Flaschen Wodka (und natürlich Dosenbier) lautstark vorgetragen wurden. Als die Sonne langsam aufging, wurden der litauische Gesangsverein, der eigentlich angeln wollte, langsam müde und Oswald beschloss seinen Anhänger wieder ein zu räumen und zu seinem „Garten“ zurück zu kehren. Hatte er doch solch gute Geschäftskontakte geknüpft, und die Litauer Nachtangler wollten ihm einiges abkaufen. Natürlich durfte er sich diese Chance nicht entgehen lassen und musste sofort seinen Warenbestand auf „seinem Gelände“, also in und um die Bretterhütten, welche er gebaut hatte, auffüllen. Er wusste zwar noch nicht wie und mir was, aber die „Geschäftspartner“ wollten ja auch erst an übernächsten Abend bei ihm erscheinen.

Das war also Ossi´s Ausflug in die weite Welt, welcher ein gutes Ende gefunden hätte, wenn da nicht auf dem Heimweg eine kleine Brücke gewesen wäre…

Ossi´s Wanderzirkus… Teil 5

Da sich die Dämmerung entschlossen hatte, auch über Oswalds Nachtlager hereinzubrechen,  war es für ihn an der Zeit, das kleine Feuerchen zu entfachen, an welchem er in aler Trapper-Manier den Abend verbringen wollte. Ja, Oswald wusste wie man einen romantischen Abend mit Hund, Hase, Huhn und Schlange verbrachte! Schließlich hatte er vor über 40 Jahren ein Buch von Karl May gelesen und konnte sich noch gut an die 17 Seiten aus „Lederstrumpf“ erinnern (mehr zu lesen schaffte er nicht…).  Also musste jetzt trockenes Holz her, was nach den vergangenen Regentagen nicht so einfach war, um ein Lagerfeuer zu machen. Aber egal, dachte Ossi, wird schon brennen und riss einige Äste der am Main allgegenwärtigen Weiden ab. Schnell, naja, fast schnell, war von ihm ein Scheiterhaufen‑ähnliches Gebilde enstanden, welches einem herkömmlichen Lagerfeuer nicht unähnlich sah. Nun versuchte er mit seinem Einwegfeuerzeug die noch ziemlich grünen Äste zu entzünden, was ihm ohne einen geeigneten „Brandbeschleuniger“ leider nicht gelingen wollte. „Scheisse“, dachte Ossi, und besann sich auf seinen halbvollen Benzintank seines grünen Mofas. Hieraus einfach einen halben Liter abgezapft, die Brühe über das Holz gechüttet und angezündet. So einfach war das (dachte er…). Den Schlauch vom  Benzinhahn ab zu ziehen war kein Problem, aber wo hinein sollte er das Gemisch dann laufen lassen?  Oswald sah als einzige Möglichkeit den Treibstoff in eine seiner Weinflaschen zu füllen. Aber die waren ja noch alle voll, was aber für Ossi kein richtiges Problem darstellte! Dank des praktischen Schraubverschlusses der grünen 1-Liter-Einwegflaschen hatte er schnell die erste geöffnet, was zu dieser Uhrzeit sowieso passiert wäre.  Immerhin war es schon nach 17:00 Uhr und Oswald begann normalerweise ab 16:00 Uhr bereits mit dem Hochfahren seines täglichen Alkoholpegels. Sobald das Fläschchen erst mal offen war, gab es für ihn kein Halten mehr.

Etwa nach 15 Minuten hatte Ossi einen leeren Behälter für seinen Brandbeschleuniger hergestellt und nach mehrfachem Rülpsen, füllte er ungefähr einen halben Liter des Zweitakt-Gemisches aus dem Tank in die Weinflasche, um dieses Zeug dann sofort über die grünen Weidenäste seine zukünftigen Lagerfeuers zu schütten. Nach einer kurzen „Einwirkzeit“, welche Ossi damit verbrachte, eine zweite Weinflasche zu öffnen und mit kräftigen Schlucken zur Hälfte zu leeren, entzündete er sein Feuerchen. Eine grelle Stichflamme schlug ihm innerhalb von Sekundenbruchteilen entgegen und Ossi dachte sich, aha, jetzt brennt´s richtig, und warf sofort noch einige frische Äste auf das nun entstandene Feuer. Hach, war das herrlich, dieser wunderschöne Feuerschein und der Rauch, welchen die frischen Äst produzierten. Die Meinung von Ossi teilte die von Spaziergängern herbeigerufene Polizeistreife allerdings nicht.  Nach einer kurzen Lagebesprechung zwischen den beiden Polizeibeamten und Oswald, einigten sich beide Parteien darauf, das Feuerchen zu löschen. Auch fragte einer der Beamten, ob es sich hier um einen „Einmann-Wanderzirkus“ handele, und wie lange Oswald sich schon den „fahrenden Volk“ angeschlossen habe. Ossi fand diese Fragerei durchaus lustig und bot den Polizisten erst mal ein Fläschchen Wein an (welches diese aber dankend ablehnten). Kurz und gut, Ossi bekam einen sog. „Platzverweis“ und musste mitsamt seiner Gefolgschaft seinen Lagerplatz am Mainufer verlassen. Dies wiederum machte ihm eigentlich nicht viel aus, wusste er doch, dass es nur ein paar hundert Meter bis nach Hessen waren, er befand sich ja momentan in Bayern, und dort war (seiner Meinung nach), die Polizei nicht so streng …

Ossi´s Wanderzirkus…Teil 4

Nein, es blieb nicht bei dem einen Bier, ja, Oswald zapfte sich gerade sein fünftes als der fette Jochen, der noch immer auf dem Boden lag, und über den Ossi schon zweimal gestolpert war, erwachte. Nach ungefähr fünf Sekunden erkannte Jochen den Bierzapfer und fragte Ossi, wann er denn endlich seine Schulden bei ihm bezahlen wolle, denn obwohl die Kneipe 1 ½ Jahre geschlossen war, hatte Ossi noch immer einen „Deckel“ beim fetten Jochen von fast 200 Euro. Und dies wusste Jochen noch, Ossi allerdings hatte diese Tatsache „verdrängt“. „Dann schreibst halt die fünf Bier von heut´auch noch mit drauf“, meinte Oswald, trank schnell das Glas leer und verschwand durch die Tür zum Hof. Zwar hatte er keinen Draht bekommen, aber erkannt, dass Jochen sich noch an ihn sehr gut erinnern konnte. Ossi schnappte sich sein Mofa mit dem Wohnanhänger und verschwand schleunigst.

Bis er einen geeigneten Draht zur Anhängerbefestigung hatte, musste die Hundeleine als zusätzliche Sicherung für den Anhänger am Mofa dienen. Sein Weg führte Ossi nun in Richtung Westen, de dachte zumindest dort wo die Sonne jetzt stand, würde Westen sein. Aber eigentlich war es ihm egal in welcher Richtung er fuhr, hauptsache weg vom fetten Jochen, dessen Gedächtnis tatsächlich noch funktionierte. Plötzlich stand Ossi am Ufer des Maines, was eigentlich keine sonderlich große Leistung war, da der Main nur ca. 800m von Jochen´s Kneipe entfernt war. Der Uferweg entlang des Maines, welcher in Richtung Aschaffenburg sehr gut ausgebaut war, veranlasste Oswald dann auch in Richtung Aschaffenburg zu fahren. Für ihn war das Westen, auch wenn es eigentlich Süden war. Hier wollte er mit seinem Gespann entlang fahren, durch die Natur, welche fast unberrührt vor ihm lag. Dass auf diesem Uferweg auch dutzende Radfahrer, Jogger und Spaziergänger unterwegs waren, ignorierte Ossi einfach. Es fiel ihm nicht im Traum ein, dass die anderen Leute sich über das seltsame Gespann wundern würden, zumal der Uferweg auch für Mofas gesperrt war. Nein, er war Oswald, und Oswald fuhr dort wo er wollte. Nach einigen Kilometern, er hatte fast den kleinen Ort Mainflingen erreicht, verspürte er Hunger und auch sein Hund im Anhänger fing an, sich scheinbar „unwohl“ zu fühlen. Jedenfalls hatte Ossi schon seit mehreren hundert Metern irgendwelche „Würgegeräusche“ im Anhänger gehört. Also hielt er an um einmal im Anhänger nach zu sehen. Ja, tatsächlich. „Baby“, wie er seinen Hund nannte, hatte sich mehrfach im Anhänger übergeben und als Oswald den Rotweiler aus dem Anhänger hob, fiel „Baby“ erst einmal um. Scheinbar konnte das arme Tier die Fahrt im Anhänger nicht vertragen. Als „Baby“ den Schwindelanfall überwunden hatte, freute sich Ossi sehr. „So,jetzt kotzt noch einmal richtig Baby, dann geht die Fahrt weiter „, sagte er zu dem Hund, welcher aber scheinbar nichts mehr im Magen hatte (oder hatte er die Anweisung von Ossi nicht verstanden?). Jedenfalls dauerte es eine Weile, bis Oswald den Rotweiler wieder im Anhänger plaziert hatte, da sich „Baby“ gegen den weitertransport in dem Gestell auf zwei Rädern heftig zur Wehr setzte. Doch Ossi war das egal und „Baby“ hockte nach einer halben Stunde wieder im Anhänger und wurde weitergeschaukelt. Oswald setzte die Reise noch bis zur Landesgrenze Bayern/Hessen fort, es waren nur noch 3 Kilometer, was allerdings für „Baby“ schon ausreichte, sich noch einmal im Anhänger zu übergeben…

Hier war also Bayern! Ossi´s eigentliche Heimat, wenn er auch aus Franken stammte, wie er immer stolz sagte. Aber Franken ist schließlich irgendwie auch Bayern und somit war Oswald hier daheim. Am Ufer des Maines wollte Oswald nun seine erste Nacht im Wohnanhänger verbringen. Aber zuvor musste er noch etwas Proviant besorgen, und aus diesem Grund fuhr er noch einmal einige hundert Meter bis ins nächste Ort, um sich bei Penny ein Brot, zwei Dosen Schmalzfleisch und (vorsichtshalber) noch zwei Flaschen Wein zu kaufen. Wieder zurück am Mainufer, lud er den Anhänger aus, also den Hasenhuhnkäfig, die Munitionskiste und seine Schaumstoffunterlage, die durch „Baby´s Unwohlsein“ etwas gelitten hatte. Aber Oswald hatte ja genügend Wasser neben sich, also den Main, um die Unterlage zu reinigen. Bis das Ding trocken war, was sehr lange dauerte, wollte Oswald ein kleines Feuerchen machen und sich dann wie ein Indianer daran zu setzen um das Schmalzfleischbrot zu verzehren. Komischerweise lehnte „Baby“ das ihm von Ossi angebotene Schmalzfleisch ab. Scheinbar war dem armen Hund noch übel von der Fahrt im Anhänger…

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